Next Generation – Johannes Gröhl

Die jungen Weintalente Deutschlands

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TEXT Gault&Millau Redaktion Deutschland | FOTOS birdyfoto, Weingut Forster

Wir haben den Gault&Millau-Expertenrat nach den verheißungsvollsten Nachwuchs-Winzerinnen und -Winzern gefragt. Weitere richtungsweisende Impulse kamen von den regionalen Weinbauverbänden. Zum Teil arbeiten diese ambitionierten jungen Menschen mit ihren Eltern zusammen im Weingut, zum Teil hat schon eine Betriebsübergabe stattgefunden und andere wiederum haben ganz mutig ihr eigenes Weingut gegründet. Wir stellen Ihnen diese Winzerinnen und Winzer vor. Die Porträts basieren nicht auf den Bewertungen der Weingüter, so sie denn in diesem Guide vertreten sind. Es geht uns um die Persönlichkeiten, die von ihren Eltern und Großeltern viel gelernt haben und die nun auf ihre Art und Weise den deutschen Weinbau weiterentwickeln.

Weingut Eckehart Gröhl:
Mit dem 2022er-Jahrgang hat das 1625 gegründete Weingut die Umstellung auf ökologischen Weinbau begonnen. Ein konsequenter Schritt, da das 25-Hektar-Gut schon lange naturnah wirtschaftet. Eckehart Gröhl hat den elterlichen Betrieb seit 1994 mit Begeisterung für das Produkt und viel Fingerspitzengefühl zu einem der önologischen Leuchttürme Rheinhessens entwickelt. Mittlerweile ist die 13. Generation ins Team eingestiegen. Sohn Johannes hat den Ausbau der Rot- und Lagenweine übernommen und Tochter Franziska verantwortet Marketing und Vertrieb.


Teil 5: Johannes Gröhl, RHEINHESSEN
5 Fragen, 5 Antworten:

Welche Düfte verbindest du mit dem Weinberg und wie spiegeln sie sich in deinen Weinen wider?

Gerade im Frühjahr riecht man die Begrünung, die Blüten und die jungen Pflanzen. Es summt und zwitschert, es ist richtig was los, als würde man in NY am Broadway stehen (nur schöner). Später im Jahr kommen viele Kräuter hinzu, insbesondere in unserem Weinberg Niersteiner Hölle wächst sehr viel Rucola, der auch intensiv duftet. An heißen Tagen riecht man den Stein und den Boden, der sich auch im Wein widerspiegelt. Sehr eindrucksvoll erkennt man den Boden in unserem Riesling vom Niersteiner Pettenthal: Der Wein ist sehr karg und er riecht, als würde es an einem sehr warmen Sommertag anfangen zu regnen. Man hat den nassen Stein in der Nase, als würde man selbst bei Regen in der Lage stehen.

Was hat dich motiviert, Winzer zu werden?

Der Hauptfaktor war, als ich mit 15 oder 16 Jahren den mitgebrachten Wein von meinen Freunden aus dem Supermarkt und den Wein unseres Familienweinguts probiert habe. Da habe ich mich gefragt: Warum kann Wein so unterschiedlich schmecken? Nachdem ich die Ausbildung begonnen hatte, gab es keine Zweifel mehr, dass das Weingut Rings in Freinsheim, Philipp Kuhn in Laumersheim und Matthias Knebel in Winning nicht nur Schlüsselmomente bedeuten, sondern die reinste Inspiration für mich sind.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit in Anbau- und Produktionsmethoden?

Nachhaltigkeit hat eine sehr große Bedeutung. Momentan befinden wir uns in der Umstellung zu biologischem Weinbau. Wir müssen nachhaltig mit unseren Böden umgehen, denn das ist das Wertvollste, was wir haben. Obwohl die Zertifizierung ein guter Schritt in die richtige Richtung ist, reicht es nicht aus. Wir müssen wieder aktiv anfangen, unseren Böden Leben einzuhauchen.

Was treibt dich gerade an?

Der Klimawandel beschäftigt mich sehr. Die extremen Phasen von Sonne, Hitze, Trockenheit, Feuchtigkeit sowie starker Regen sind auch in diesem Jahr ersichtlich.
Im Vordergrund steht aktuell, wie man den Weinberg trotz der verschiedenen Extrembedingungen in Einklang bringen kann, damit er ausgewogen wächst und widerstandsfähig wird. Das ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Allerdings lernt man jedes Jahr etwas dazu und fühlt sich immer besser darauf vorbereitet. Um die Bodenqualität zu verbessern, arbeiten wir mit Winterbegrünung, Kompost und Stroh, was sich immer mehr bezahlt macht. Es sind die natürlichen Ressourcen, die der Uropa schon ausgebracht hat und die Welt in einen Kreislauf zurückbringt.

Welche Ratschläge würdest du anderen jungen Menschen in der Weinbranche geben?

Viel trinken, essen und erzählen.

Weingut Eckehart Gröhl
Uelversheimer Straße 4
55278 Weinolsheim
T +49 (0) 6249 8090 00
info@weingut-groehl.de
www.weingut-groehl.de

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