„Ich bin nun einmal Gastgeber aus Leidenschaft – Bon retour, Le Moissonnier!“

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TEXT Nick Pulina | FOTO Le Moissonnier

Es war nicht nur ein Schock für viele Kölner Feinschmecker, als das zuletzt mit drei roten Hauben bewertete Spitzenrestaurant Le Moissonnier Ende Juli nach über dreißig Jahren seine Türen schloss. Für immer? Das hatten die Eigentümer Vincent und Liliane Moissonnier so zwar nicht gesagt, aber große Hoffnungen auf eine Wiedereröffnung des Restaurants zu haben, trauten sich wohl nur die wenigsten. Doch nun ist der Kölner Gourmettempel nach nicht einmal eineinhalb Monaten aus seinem Dornröschenschlaf erwacht – und hat eine Metamorphose erlebt.

„Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass wir ohne euch leben können“, eröffnet Vincent Moissonnier ein auf der Webseite und in den sozialen Medien des Restaurants veröffentlichtes Video. Hierin erklärt der 63-Jährige das neue Konzept des Le Moissonnier: Das Restaurant hat sich in ein Bistro verwandelt, in dem Vincent Moissonnier von Mittwoch bis Samstag von 12:00 bis 17:00 Uhr seine Gäste empfängt – als das, was er „schon immer sein wollte: Kneipier.“ Er serviert neben kleineren Köstlichkeiten wie Austern und Oliven hauptsächlich regelmäßig wechselnde Tagesgerichte von Chefkoch und Le-Moissonnier-Urgestein Eric Menchon. Letztere werden allerdings nicht filigran auf dem Teller arrangiert, sondern kommen in rustikalen Cocotten aus Gusseisen auf den Tisch. „Ihr werdet euch selber bedienen müssen“, kommentiert Moissonnier mit einem Augenzwinkern. Das liegt allerdings am Konzept, nicht am mangelnden Service: Der Großteil des alten Teams ist ebenfalls wieder am Start.

Die zweite wichtige Neuerung im Konzept ist die Einführung eines deutschlandweiten Außerhaus-Service. Fortan können Genießerinnen und Genießer in Ganz Deutschland in den Genuss von Menchons Gerichten kommen. Ausgeliefert werden die monatlich wechselnden Speisen immer am Wochenende. Wer in der Nähe wohnt, kann auch einfach vorbeikommen und sich seine Box selbst abholen. Wir haben Vincent Moissonnier gefragt, was hinter dieser gravierenden Neuausrichtung des einstigen Spitzenrestaurants steckt: „Das wichtigste ist, dass ich meiner Frau Liliane nicht auf die Nerven gehe, wenn ich den ganzen Tag zu Hause sitze. Ich bin nun einmal Gastgeber aus Leidenschaft, nur hatte ich keine Lust mehr auf diesen Druck. Man darf nie einen Fehler machen, man muss jeden Satz dreimal überdenken, den man sagt, alles muss immer perfekt sein. Das haben wir über dreißig lang gemacht, da dürfen jetzt die jungen Gastronomen ran. Wir wollen es locker angehen lassen. Im Französischen gibt es den Begriff ‚convivialité‘; das ist genau das, was wir hier schaffen wollen: gemeinsam essen, gemeinsam trinken, in Gesellschaft eine gute Zeit verbringen.

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