Gault&Millau Weingut der Woche

Castello Brolio – Eine Erfolgsgeschichte seit 1141

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Baron Francesco Ricasoli ist eine wunderbar angenehme Erscheinung. Wenn er über seinen Wein spricht, spürt man die tiefe Verbundenheit zu der Geschichte von Castello Brolio und seinen mittlerweile wieder hochdotieren Weinen. Kein Standesdünkel, keine Manieriertheiten die man Aristokraten mancherorts vorwerfen kann.  Ein Macher, der so gar nicht bilderbuchmäßig zum Winzer wurde. Vor 50 Jahren wurde er auf Castello di Brolio bei Siena geboren.  Er absolvierte die  Marineschule Morosini in Venedig und studierte an der Fakultät für Economia e Commercio an der Universität Florenz. Dann packte ihn die Leidenschaft zum Fotografieren, in seinem Studio arbeitete Ricasoli mit Kunden wie Barilla, Valentino, Coveri, Piaggio, Ray Ban, Hasahi Pentax und anderen zusammen. 

Ein Glück für den Brolio Wein, dass 1993 Francesco Ricasoli das Familienunternehmen zurück erwerben konnte, nachdem es mehr als zwanzig Jahre lang in ausländischem Besitz war. Die Passion zum Weinmacher muss schon vorher in ihm geschlummert haben. Denn seitdem  hat „Barone Ricasoli“ mit der Produktion von Qualitätsweinen seinen wichtigen Kundenstamm und sein Prestige erfolgreich zurückgewonnen. Im Jahr 2002 wurde „Barone Ricasoli spa“ vom Weinführer „Gambero Rosso“ zum „Besten italienischen Weingut des Jahres“ ernannt. Brolio, Castello di Brolio, Casalferro, Rocca Guicciarda, Torricella, Formulae, Campo Ceni sind unter anderem die Markenzeichen von Barone Ricasoli.

Ricasoli ist verheiratet und Vater einer 13-jährigen Tochter. Er verbringt seine Zeit mit der Familie zwischen Florenz und Brolio – und wenn er nicht dort ist, kann man ihn auf den Meeren der Welt finden, als passionierter Taucher und Segler. Eine beeindruckende Muschelsammlung ist Zeuge.

Heute umfasst das Weingut Brolio Ricasoli 1.200 Hektar Land. 250 Hektar Weinberge, von denen 210 seit 1994 neu bepflanzt wurden, was Brolio zum größten Chianti Classico Weingut macht. Mehr als 150 Hektar neu bepflanzte Sangiovese-Weinberge, für die mehr als 15 ausgewählte Klone verwendet werden, um die höchste Qualität zu erreichen. Exportiert wird in mehr als fünfzig Länder auf fünf Kontinenten, in Italien findet man ihn in ausgesuchten Weinläden und den gehobenen Restaurants.

Barone Ricasoli: seit 1141 mit Wein verbunden

Seit 1141 wird in Gaiole Wein erzeugt. Das macht Castello Brolio zum ersten urkundlich erwähnten familiengeführten Weingut und zu den drei ältesten Familienunternehmen. Die Familie Ricasoli zählt zu den ältesten Adelsgeschlechtern Europas. Das von Weingärten, Olivenhainen und Zypressen umgebene Castello di Brolio wurde im 19 Jahrhundert im neugotischen Stil auf den Grundmauern des mittelalterlichen Baus errichtet. Bereits im 16. Jahrhundert exportierte man Weine nach Amsterdam und London. Nachdem die Fehden des Mittelalters, die Waffengänge der napoleonischen Kriege und die Schlachten um die Einigung Italiens geschlagen waren, konzentrierten sich die Barone auf dem Castello auf die Landwirtschaft, besonders aber auf den Wein.

Bettino Ricasoli: Der Vater des Chianti

Berühmtheit erlangte der 29. Baron, Bettino Ricasoli, in Italien besser bekannt als „eiserner Baron“ einer der ersten Ministerpräsidenten nach Herstellung der nationalen Einheit in Italien und Gründer der Tageszeitung La Nazione, der 1872 die Urformel für den Chianti Classico schuf. Seine Formel hat heute noch Gültigkeit, der Sangiovese war und ist die Grundlage für den Chianti. Ihm zu Ehren schuf sein Urenkel und heutiger Besitzer Francesco Ricasoli einen Wein, den er nach ihm „Bettino“ nannte und der eins zu eins nach der alten Chianti-Fomel vinifiziert wurde. Der Chianti Bettino besteht daher zu einem Großteil aus Sangiovese, wurde nicht filtriert und im großen Holzfass ausgebaut.

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