ProWein 2023: Internationale Weinbranche trifft sich drei Tage lang in Düsseldorf

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TEXT Anke Kronemeyer | FOTOS Messe Düsseldorf / Constanze Tillmann / Weingut Galler

6.000 Aussteller aus 61 Ländern, die an drei Tagen von Sonntag bis Dienstag (19.-21. März) in 13 gut belegten Messehallen zusammenkommen: Die Zahlen der diesjährigen ProWein klingen, als sei nach Corona und zwei nicht stattgefundenen Messen alles beim Alten. So zumindest die Hoffnung der Veranstalter, die an die rund 60.000 Besucher von 2019 anknüpfen wollen. Aber in der Branche ist vieles nicht mehr beim Alten.

Der Wein wird teurer, der Verbraucher trinkt weniger
Gestiegene Preise für Energie, Glas, Verpackung, Logistik und Personal schlagen sich bei den Preisen für Wein nieder. Der Durchschnittspreis im Handel stieg auf 4,18 Euro je Liter, umgerechnet 26 Cent oder 6,6 Prozent. Diese höheren Preise, aber auch die Inflation lassen den  Verbraucher mit Kaufzurückhaltung reagieren – der Umsatzrückgang betrug 6,5 Prozent. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch ist gesunken: Jeder Deutsche trinkt jährlich nicht mehr 20,8 Liter Alkohol, sondern „nur“ noch 19,8 Liter, so Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Gleichwohl und trotz einiger Dellen ist die Branche zuversichtlich und stellt sich mit vielen neuen Ideen, Trends und Projekten an den drei Messetagen vor.

Welche Alternativen zur Glasflasche gibt es?
Ein großes Messe-Thema ist zum Beispiel die Alternative zum teurer gewordenen Glas. Das können Flaschen aus Papier, drei oder fünf Liter Bag-in-Boxen, 1,5 Liter Weinbeutel, Aluminiumdosen oder Pfandflaschen sein. So wurde in Württemberg die Wein-Mehrweg eG gegründet, die ein bundesweites Pfandsystem entwickelt. Pfandflaschen werden aber auch in einem pfälzischen Weingut befüllt: Ansgar und Katja Galler bieten eine Piwi-Cuvee aus Sauvignac und Johanniter in einer Halbliter-Bierflasche mit Kronkorken an, die an jedem Getränkeautomaten in ganz Deutschland zurückgenommen wird.

Markt mit alkoholfreiem Wein wächst weltweit
Aber auch der Trend zum alkoholfreien Wein spiegelt sich auf der Weinmesse wider und wird bei einer Sonderschau unter dem Motto „World of Zero“ präsentiert. Damit werde dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher Rechnung getragen, so Michael Degen von der Messe Düsseldorf. Kolonne Null, ein Startup aus Berlin, das sich seit einigen Jahren mit dem Thema „entalkoholisierter Wein“ beschäftigt, ist ebenso vertreten wie Jörg Geiger und seine Manufaktur von der Schwäbischen Alb, Schlumberger, Schloss Wachenheim oder JJ Leitz. Der Markt mit alkoholfreiem beziehungsweise entalkoholisiertem Wein gehört global zu den am stärksten wachsenden Getränkesparten. Laut einer Studie des britischen Marktforschungsinstituts IWSR hat der Umsatz den Wert von 22 Milliarden US-Dollar überschritten, es wird zudem mit einer jährlichen Steigerung von sieben Prozent gerechnet.

Die meisten Aussteller kommen aus Italien, Frankreich bringt Champagner mit
Ein paar Zahlen zu den Ausstellern: Italien ist traditionell die größte Nation und reist mit 1300 Ausstellern aus allen italienischen Anbaugebieten an. 1000 Aussteller kommen aus Frankreich und bringen nicht nur Wein mit: Auf der Messe sind auch 150 Champagnerhäuser vertreten. Deutschland ist mit 700 Ausstellern drittgrößte Nation auf der Messe. Alle 13 Anbaugebiete sind dabei vertreten. Der VDP präsentiert sich und seine Mitglieder mit neuem Standkonzept sowie einem Forum für Verkostungen und Diskussionen.

Weitere Aussteller kommen aus Spanien (670), Portugal (300), Österreich (260), Argentinien (120) oder den USA (110). Aber auch Ecuador, Estland, Schweden und Singapur haben jeweils neun Quadratmeter Standfläche (das mindeste, was man buchen kann) reserviert. Für die Messe wichtig: „90 Prozent der Aussteller sind nicht-deutsch“, so Michael Degen. Damit gelte die ProWein als wichtigste internationale Plattform der Weinbranche.

Aber auch die Spirituosenbranche ist mit 500 Anbietern präsent und lässt Armagnac, Zwetschen-Likör, Whisky, Gin und Wodka verkosten.

Besonders locker und „hip“ soll es in der Lounge „urban gastronomy“ zugehen, wenn Sommelier, Skateboarder und HipHopper Toni Askitis gemeinsam mit Spitzenköchen und Szenegastronomen bei Workshops Tipps vor allem zum Foodpairing gibt. Mit dabei ist zum Beispiel ein Pizza-Skulpturen-Bäcker aus Maastricht oder ein Macaron-Hersteller aus Düsseldorf.

Deutscher Riesling in China beliebt
Eine gute Nachricht verkündet das Deutsche Weininstitut (DWI) noch: Der durchschnittliche Export für deutsche Weine hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Der Durchschnittspreis, den die Erzeuger ab Hof für einen Liter Wein erlösten, stieg um 20 Cent auf 3,15 Euro und liegt damit elf Cent über dem bisherigen Maximalwert von 3,04 Euro. Damit stieg der Gesamtwert der deutschen Weinexporte um vier Prozent auf 370 Millionen Euro, obwohl das Volumen um drei Prozent auf 1,17 Millionen Hektoliter zurückging. Besonders erfolgreich sei der Weinexport nach China verlaufen, so Ernst Büscher vom DWI. „Die Chinesen lieben vor allem den deutschen Riesling.“

Und weil die ProWein eine Fachmesse ausschließlich für Winzer, Weinhändler, Gastronomen oder Produzenten ist, darf der Endverbraucher – auch wenn er das gerne möchte – nicht auf die Messe. Für alle „privaten“ Weinliebhaber gibt es in Düsseldorf und der Region darum schon seit vielen Jahren die Aktion „ProWein goes city“, bei der unter Regie der Destination Düsseldorf mehr als 50 Restaurants, Hotels, Weinhändler oder Bars zu Verkostungen rund um das Thema Wein einladen.

prowein.de

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